Die Bewertung von Firmen bei Scheidung – im Zugewinn

Die Bewertung von Firmen bei Scheidung - im Zugewinn

Bei einer Scheidung ist im Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu berücksichtigen, dass der erwirtschaftete Zugewinn zwischen den Ehepartnern aufgeteilt wird. Insbesondere gilt dies für Firmen bei der Scheidung.

Als Maßstab gilt das sogenannte Stichtags-Prinzip.

Dabei wird eine Bewertung des Anfangvermögens (Eheschließung) und Endvermögens (Zustellung des Scheidungsantrags) vorgenommen.

Sollte bei einem Ehegatten ein Überschuss bei einem Vergleich bestehen, hat dieser die Hälfte, demnach 50 %, dieses Überschusses als Zugewinn-Ausgleich an den anderen Ehepartner zu zahlen.

Dabei zählen zu Vermögensgegenständen in dem Zugewinn ebenfalls Firmen / Unternehmen bzw. Beteiligungen an diesen.

Dementsprechend ist eine Bewertung des Unternehmens zu dem Anfangsstichtag und Endstichtag vorzunehmen.

In diesem Zusammenhang herrschen drei Bewertungsverfahren vor:

 

  1. Das Substanzwertverfahren

 

  1. Das Liquidationsverfahren

 

  1. Die Ertragswertmethode

 

Die Anwendung des Substanzwertverfahrens vermag allerdings keinen Erfolg versprechen, da bei diesem Verfahren grundsätzlich nur, wie ebenfalls die Begrifflichkeit deutlich macht, die Substanz des Unternehmens bewertet wird.

Faktoren wie z.B. der Good-Will sowie etwaige Kreditwürdigkeitsinformationen oder Customer-Relations werden nicht berücksichtigt.

Hinsichtlich des Liquidationsverfahrens wird bei einer Bewertung auf den sogenannten Zerschlagungswert des Unternehmens/der Firma abgestellt.

Diese Methode erscheint ebenfalls nicht sachgerecht, da dies mitunter die unterste Grenze des objektiven Marktwertes des Unternehmens widerspiegelt und keine positiven Ertragswerte für die Zukunft widergibt.

Die Ertragswertmethode ergänzt die zuvor genannte Substanzwertmethode, um die weiteren Faktoren, welche bei der Substanzwertmethode ausgelassen wurden.

Insofern vermag die Ertragswertmethode aber ebenfalls nicht den realen Wert widerzuspiegeln, da die Ertragswertmethode davon ausgeht, dass zukünftig positive Erträge des Unternehmens erwirtschaftet werden.

Man könnte allerdings die Vermutung anstellen, dass ein Unternehmen sofort geschlossen wird, so dass, wie von der Ertragswertmethode vorgesehen, kein Planungszeitraum von 3 bis 5 Jahren vorherrscht.

Infolgedessen hat sich die Rechtsprechung auf eine modifizierte Ertragswertmethode verständigt.

Insbesondere bei Freiberuflern wird von der eigentlichen Ertragswertmethode noch der Unternehmerlohn sowie der latente Steuersatz abgezogen.

Mitunter erscheint dieses sachgerecht, um den wahren objektiven Marktwert zu den Bewertungsstichtagen widerzuspiegeln.

Im Zweifel wird in einem Zugewinn-Verfahren / bei der Scheidung ein vom Gericht bestellter Sachverständigengutachter die Bewertung vornehmen, soweit nicht außergerichtlich eine Einigung auf der Grundlage eines außergerichtlichen Gutachtens die Bewertung vorgenommen werden kann.

Wir raten dahingehend unseren Mandanten eine außergerichtliche Einigung zu forcieren, da ansonsten die gerichtlichen Kosten teilweise etwaige Zugewinne übersteigen und somit keine Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf ein gerichtliches Verfahren gegeben ist.

Hinsichtlich der Bewertung von Firmen / Unternehmen bei Scheidung wenden Sie sich bitte an Ihren Rechtsanwalt / Scheidungsanwalt.

By | 2018-04-03T16:05:27+00:00 April 3rd, 2018|Uncategorized|0 Comments

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