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Scheidungstermin vor Gericht – was habe ich zu erwarten? Wie ist der Ablauf ?

Viele Mandanten wissen nicht, was sie bei einem Scheidungstermin vor Gericht erwartet, ist es doch oft der einzige Termin den sie bislang je in einem Amtsgericht wahrgenommen haben. In der Regel sind Scheidung die am wenigsten zeitaufwendigsten Termine.

Die Amtsgerichte setzen einen Durchschnittszeitraum von circa 15 Minuten für einen Scheidungstermin an. Nach der Anhörung wird vom vorsitzenden Richter oder der vorsitzenden Richterin ein Beschluss erlassen, der dann mit einem Rechtskraftvermerk die jeweilige Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft aufhebt.

Im Zuge des Familiengerichts werden immer beide Ehe- oder Lebenspartner persönlich zum Erscheinen eingeladen und angehört.

Vorausgesetzt für diese Aufhebung der ehelichen oder lebenspartnerschaftlichen Verbindung ist auch die vollständige Klärung der jeweiligen Auskünfte zum Versorgungsausgleich zum Beispiel mit der Deutschen Rentenkasse. Sind die Konten geklärt, sendet das Gericht eine Einladung zum Termin für beide Ehepartner.

Was ein no-go ist: Unentschuldigtes Fernbleiben bei einem vom Gericht festgesetzten Termin. Sollten Sie an diesem Tag verhindert sein, durch Urlaub oder dringenden geschäftlichen Termin teilen Sie das bitte rechtzeitig Ihrem Anwalt mit, damit ein Ausweichtermin gefunden werden kann. Bei Krankheit am Tag der Scheidung ist das Fernbleiben mit einem ärztlichen Attest nachzuweisen. Bleibt ein Mandant unentschuldigt fern, so kann dies vom zuständigen Gericht geahndet werden.

Was muss ich mitbringen?

Mitzuführen ist auf jeden Fall ein gültiger Personalausweis oder ein Reisepass.

Wenn Ihnen der Anwalt mitgeteilt hat, weiter Unterlagen bereit zu halten, denken Sie auch daran diese im Original und nicht als Kopie mitzuführen.

Dies kann sein: Die Heiratsurkunde, oder die Abstammungsurkunde eines Kindes oder sogar ein Ehevertrag oder ein vom Notar beglaubigter Scheidungsfolgevertrag.

Wichtig ist auch die Ladung, die Sie vom Gericht erhalten haben, damit die Beamten am Einlass erkennen können, zu welchem Termin sie erscheinen sollen. Ihr Arbeitgeber benötigt ebenfalls eine Kopie dieser Einladung, da er sie an diesem Tag auf jeden Fall freistellen muss.

Da die Einlasskontrollen an den Gerichten mit einer Sicherheitsschleuse wie an den Flughäfen verbunden sind, kann es unter Umständen zu längeren Wartezeiten kommen. Bitte planen Sie dies in Ihr Zeitfenster ein und lassen Sie metallische Gegenstände wie Dosen, unnötige Schlüssel und Schmuck zuhause, da diese von denn Detektoren erkannt werden.

Wie ist der Ablauf meines Verfahrens?

Der oder die Vorsitzende ruft Sie und Ihren Rechtsanwalt auf, damit Sie den Verhandlungssaal betreten können.

Außer ihrem Rechtsbeistand sind der Anwalt Ihres Partners und Ihr Partner dabei und ansonsten nur ein Richter.

Verhandlungen in familiären Angelegenheiten sind nicht öffentlich, das heißt es sind keine Zuhörer bei der Sache zugelassen. (dies gilt auch bei Umgangs- und Unterhaltsangelegenheiten, sowie Kindschaftssachen).

Somit können Sie also ganz entspannt in den Saal gehen, ohne zu befürchten es würde Ihrer Scheidung andere Teilnehmer beiwohnen.

Im Saal selbst (das kann sich dabei um ein kleineres Sitzungszimmer, einen runden Tisch oder einen größeren Raum handeln) haben die Beteiligten feste Plätze. Ihr Anwalt weiß Bescheid und geht mit Ihnen dort hin, Sobald alle Platz genommen haben, beginnt die Verhandlung.

Der Vorsitzende gibt das Verfahren zu Protokoll und notiert die Anwesenheit der Beteiligten und den bei der Verhandlung besprochenen Inhalt.

Die Ehepartner legen ihre Ausweise dem Vorsitzenden vor. Ebenso die angeforderten Unterlagen, die sie noch mitbringen mussten. Ist dies geschehen, beginnt das eigentliche Prozedere. Parteien im Sinne des Gesetzes sind „Gegner“. In diesem Fall ist der andere Partner der Gegner. Haben Sie sich „gütlich“ bei der Scheidung geeinigt, handelt es sich hierbei um eine einvernehmliche Scheidung. Es ist nicht zwingend notwendig, dass zwei Anwälte hier für die Beteiligten agieren.

Ist noch etwas zu klären, so stellt jeder Anwalt für sich allein und seinen Mandanten den Antrag auf Scheidung oder Aufhebung der Partnerschaft. Derjenige, der den Scheidungsantrag gestellt hat, wir als Erster genannt. (Es ist bei den Fragen, die der Richter stellt wichtig, hier bei der Wahrheit zu bleiben)

Es kommen Fragen wie z.B.: Wann wurde die Ehe oder Partnerschaft geschlossen- wann haben Sie sich vom Partner getrennt und ab wann gab es die räumliche Trennung. Der Vorsitzende wird auch fragen, ob Sie die Ehe oder Partnerschaft für gescheitert halten und ob Sie die Ehe weiterführen wollen.

Wenn beide Beteiligten dies beantworten, ist die Grundlage für die Trennung gegeben. Wichtig ist auf jeden Fall, das sie mehr als ein Jahr von einander getrennt leben. Haben Sie noch minderjährige Kinder, so wird dies der Vorsitzende ebenfalls ansprechen, ob Umgang und gemeinsames Sorgerecht geregelt sind.

Sind diese Fragen geklärt, wird der Richter dies nicht gesondert ansprechen, sondern auf den nächsten Punkt kommen: die in der Partnerschaft erworbenen Rentenanwartschaften. Diese Versicherungsverläufe wurden bereits vor diesem Termin als Versorgungsausgleich von den jeweiligen Rentenkassen geklärt, Der Richter bespricht mit Ihnen, ob diese Angaben so korrekt dargestellt sind.

Was ist ein Beschluss ?

Wenn alle Voraussetzungen für die Scheidung geklärt und besprochen wurden, so erlässt das Gericht einen Beschluss: nämlich denjenigen, das die Ehe oder Partnerschaft geschieden wird.

Der Versorgungsausgleich wird nach dem gerichtlichen Vorschlag durchgeführt, die Kosten der Verhandlung trägt jeder für sich zur Hälfte und die Kosten seines Anwaltes trägt jeder allein. Wird der Beschluss verlesen, stehen alle Beteiligten auf.

Was bedeutet rechtskräftig geschieden ?

Die Ehe gilt zu diesem Zeitpunkt der Beschlussverkündung noch nicht vor dem Gesetz als rechtskräftig. Es kommt vor, dass sich die Partner nach dem Scheidungstermin wieder vertragen. Innerhalb eines Monats nachdem der Beschluss vom Gericht an die Beteiligten zugestellt wurde, besteht noch die Möglichkeit eine Beschwerde einzulegen. Verstreicht diese Frist ohne die Eingabe einer Beschwerde gegen die Scheidung, dann wird der Beschluss rechtskräftig. Sie können damit rechnen, dass nach dem Scheidungstermin nach sechs bis achten Wochen die Trennung nunmehr auch nach dem Gesetz vollzogen ist.

Sind Sie sich vollkommen sicher, dass Sie auf diese Frist verzichten wollen, muss Ihr Anwalt dies bei dem Termin für Sie erklären.

Höhe der Kosten

Ebenfalls bei dem Termin werden die Vorrausetzungen für die Kostenhöhe des Verfahrens bekannt gegeben. Der Vorsitzende teilt Ihnen mit, wie hoch der Wert des Verfahrens ist, nach dieser Summe bemisst sich die Berechnung für die Kosten des Gerichts und die Kosten ihres Anwalts.